Kite Downwinder - 28. August
4. Oktober 2009 | Von Fabian | Kategorie: Kite Downwinder10. Etappe Ilha do Guajiru — Jericoacoara
Am 28.08.09 war es dann wieder so weit. Ich starte auf die letzte Etappe nach Jericoacoara. Vor mir liegen 70 Kilometer Einsamkeit. Zumindest auf den ersten 50 Kilometern bis Prea gibt es am Strand nicht mehr als vereinzelte Ansiedlungen von Fischerhütten. Der Wind ist hier normalerweise richtig stark, oft über 30 Knoten. Wenn man “normal” kitet wäre eigentlich ein 7qm großer Kite besser. Da ich jedoch nur downwind fahre, ist ein 9qm Schirm auch Ok.
Durch den Regen, der in Cumbuco in den letzten Tagen für Flaute gesorgt hat, weht es heute aber schwächer. Ich kann mich also schön angeblasen auf den Weg machen.
Die Pause tat mir richtig gut, motiviert starte ich und freue mich auf die letzte Etappe nach Jericoacoara. Schnell bin ich aus der Lagune gekitet und fahre aufs Meer. Vor mir liegt die “Flat Water Sea”. Hier ist das Meer überall stehtief und es baut sich lediglich eine kleine Kabbelwelle auf. Die einzigen Hindernisse sind mal wieder die Holzreusen, die hier bis zu 200 Meter weit ins Meer reichen. Da gerade Flut ist, ist es teilweise richtig schwer die Holzpfähle rechtzeitig zu sehen. Einmal passiert es mir sogar, dass ich inmitten einer dieser ringförmig angeordneten Holzpfähle bin, da dort fast alle knapp unter der Wasseroberfläche waren und nur kurz zwischen den Wellen zu sehen waren. Zum Glück habe ich es dann doch noch rechtzeitig gemerkt und konnte darüber springen um nicht mit den Borad hängen zu bleiben.
Immer wieder stoße ich auf geniale Spots mit spiegelglattem Wasser. Es gibt große Flussdeltas oder von Landzungen abgegrenzte Lagunen. Hier treffe ich auf keinen einzigen anderen Kitesurfer. Das Paradies für mich alleine! Denn noch sind diese Spots sehr schwer und nur mit einem 4×4 Wagen zu erreichen. Mit dem einsetzenden Tourismus in Ilha do Guajiru, werden bestimmt aber auch diese Spots bevölkert werden. Leider kann ich immer nur kurz an den Spots bleiben, da ich heute ja noch einige Kilometer vor mir habe. Ein bisschen bereue ich es jetzt, solange in Ilha do Guajiru geblieben zu sein. Und die Distanz Ilha do Guajiru und Jericoacoara nicht auf zwei Tage verteilt habe.
Auf etwa halber Strecke pausiere ich im Schatten einer von Fischern errichteten, aber bereits ziemlich demolierten “Palmenhütte”. Hier ruhe ich mich aus, erfrische mich mit einer Guarana und versuche an diesem heißen Tag so gut wie möglich der Sonne zu entfliehen. Nachdem ich mir eine neue Schicht Sonnencreme ins Gesicht geschmiert habe, geht es weiter. Die ersten Kilometer sind ähnlich den vorherigen. Ich komme Slalom fahrend um die Reusen recht schnell voran. Da die Ebbe eingesetzt hat, kann ich die Pfähle jetzt auch immer gut sehen. Dann erblicke ich zum ersten Mal das Ziel. Am Horizont ragt ein etwa 150 Meter hoher Berg wie eine Insel aus dem Meer auf. Von meiner letzten Brasilienreise weiß ich, dass im Lee dieser Erhöhung das Hippiedorf und Windsurfmekka Jericoacoara liegt. Ein komisches Gefühl, schlagartig war mir klar, dass der Trip in etwa 20 Kilometern vorbei sein wird.
Unterwegs mach ich noch einen letzten Halt in Prea. Hier treffe ich zufällig auf einen Freund, den ich im Süden kennen gelernt habe — wir quatschen etwas und trinken eine Kokosnuss. Als ich merke, wie spät es schon ist, verabschiede ich mich und mache mich auf die letzten Kilometer. Schließlich möchte ich rechtzeitig in Jericoacoara sein, um den Sonnenuntergang von der berühmten Sanddüne betrachten zu können.
Zwischen Prea und Jericoacoara gibt es dann auch endlich wieder ein paar Wellen zum abreiten. Dieses letzte Stück genieße ich noch mal in vollen Zügen. Dann kite ich um die letzte Landzunge und sehe das Dorf, die Düne und bin glücklich. Ich nehme mir ein Zimmer in der echt schönen Pousada do Maurizio. Dort treffe ich auch richtig nette Leute, mit denen ich die Nacht zum Tage mache und das erfolgreiche Ende des Abenteuers feiere.
Pünktlich zum Sonnenuntergang sitze ich aber natürlich auf der Düne und versuche die letzten Wochen noch einmal Revue passieren zu lassen.