Kite Downwinder - 22. August
30. August 2009 | Von Fabian | Kategorie: Kite DownwinderEtappe 8: Von Fleicheras nach Icarai de Amontada
Die Medizin hatte bis Mittags glücklicherweise ihren Zweck erfüllt. Trotz der kurzen Nacht, in der ich mehrmals die Toilette aufsuchen musste und ständig von den Karaoke-Künsten einiger Partygänger aus dem Schlaf gerissen wurde, fühlte ich mich einigermaßen fit. Wegen dem immer noch flauen Gefühl im Magen traute ich mich aber noch nicht mehr als ein paar Bananen zu essen. Eines stand aber fest: Ich muss weg von hier! Denn noch eine Nacht in diesem Loch (etwas anderes war das Zimmer nämlich nicht) wollte ich nicht verbringen. Das Gute war, dass ich auf der heutigen Strecke die Option hatte bereits nach 15km abzubrechen, sollte es mir doch wieder schlechter gehen.
Nachdem ich mich gezwungen hatte 1.5 Liter Wasser zu trinken, damit ich wenigstens Flüssigkeit zu mir genommen habe, ging es wieder auf Tour. Das Meer war immer noch ungewöhnlich flach. Dies störte mich im Moment aber keineswegs, ich wollte nur voran kommen.
Auf halber Strecke nach Mundau hatte ich einen dieser schönen Augenblicke. Zwei Meter neben mir tauchte eine riesige Meeresschildkröte auf, schaut mich an, erschrickt und verschwindet so schnell wie sie gekommen ist. Diese an Land so trägen im Wasser aber pfeilschnellen Geschöpfe faszinieren mich seit ich sie das erste Mal gesehen habe. Es sollte heute nicht die letzte Begegnung mit Meereslebewesen sein.
Nach 15 Kilometern erreichte ich Mundau. Dort trank ich etwas Wasser und überlegte ob ich weiter kiten sollte. Ich entschied mich dafür und fuhr mit Zwischenstopp in Baleia ins Niemandsland. Zwischen Baleia und Icarai de Amontada, dem nun auserkorenen Etappenziel, war nämlich auf 30km nichts als trostlose karge Dünenlandschaft. Genau hier geschieht es dann, ich sehe ein kleines violettes Segel an der Wasseroberfläche. Nicht gleich ist mir klar was es ist. Erst halte ich es für Plastikmüll. Doch dann kapiere ich, dass dies eine portugisische Galeere ist. Sofort steh ich aufrecht auf dem Brett und loope den Kite damit ich möglichst schnell in Lee und außer Reichweite bin. Bei der portugisischen Galeere handelt sich um eine Quallenart, die es hier gelegentlich gibt. Sie bewegt sich mit Hilfe des Windes fort, indem sie ein kleines Segel über dem Wasser aufspannt - sollte mir ja eigentlich sympathisch sein. Direkter Hautkontakt, mit den von Nesselzellen besetzten mehrere Meter langen Tentakeln ist jedoch äußerst schmerzhaft. Allerdings können meines Wissens nur allergische Reaktionen zu Atemstillstand und Herzversagen führen - ist das bei Bienen nicht genauso? Naja auch auf eine schmerzhafte Begegnung kann ich in dieser Einöde gerne verzichten. Nahe dem Ufer fahre ich also weiter und beobachte aufmerksam das Wasser um nicht über den großen Bruder zu stolpern. Das ist bei der schon recht tief stehenden Sonne gar nicht so einfach.
So kite ich einige Kilometer, bis direkt am Strand, ich kann es erst gar nicht glauben, ein kleiner Friedhof liegt. Er besteht aus eineigen steinernen, hauptsächlich aber nur aus, mit einfachen Holzkreuzen bestückten Grabstätten. Irgendwie passt ein Friedhof doch in diese karge Landschaft. Eine ganzes Stück weiter erreiche ich eine Landzunge hinter der sich, wie vermutet, das kleine ruhige und touristisch weitgehend unerschlossene Dorf Icarai de Amontada verbirgt. Direkt am Strand finde ich eine wirklich einfache aber irgendwie coole Unterkunft. Sie besteht eigentlich nur aus zwei Zimmern. Hier fühlt man sich mehr als Freund der Familie und nicht als Gast. Die Familie finanziert ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit dem Umbau von großen hölzernen Kabeltrommeln zu Möbeln.
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