Kite Downwinder - 16. August

19. August 2009 | Von Fabian | Kategorie: Beliebteste Artikel, Kite Downwinder
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3. Etappe: Sunrise Coast to Sunset Coast

Als ich in der früh aufwachte wusste ich noch nicht, dass an diesem Tag die Königsetappe von 100km Küstenlinie vor mir lag. Die einzelnen Strecken kann ich nur sehr schwer planen, da eigentlich alles vom Wind und natürlich meiner Fitness abhängt. An diesem Tag passte aber alles. Nach 12 Stunden schlaf fühlte ich mich wie neugeboren und der Wind drehte bereits um zehn Uhr auf side onshore. Ich konnte also, nachdem alles gepackt war und ich meine täglichen Dehnübungen gemacht hatte, direkt von Barra Nova aufbrechen. Natürlich hab ich mich auch brav von den Fischern und Fährmännern verabschiedet, die wie am Abend davor, in ihrer Barraca (Hütte) saßen oder ihre Boote reparierten.

Die ersten Kilometer konnte ich nahe am Strand entlang kiten. Es war genau die Strecke, die mich vor drei Jahren zu diesem Downwinder inspiriert hat. Damals bin ich hier am Strand gelaufen und habe die Hitze verflucht, jetzt kann ich die relativ sauber brechenden Wellen abreiten und einfach nur genießen. Als ich das Dorf Aquas Bellas hinter mir gelassen habe, passierte es dann beinahe! Ich sehe unter der Wasseroberfläche etwas Schwarzes aufblitzen. Gerade noch rechtzeitig sehe ich die Felsbrocken und kann sie umfahren. 

An einer Flussmündung machte ich dann kurz Pause und erfrischte mich mit Süßwasser (natürlich nach Wasseraufbereitung). Hier musste ich nun die Entscheidung treffen. Soll ich heute schon die Großstadt Fortaleza umfahren oder erst am nächsten Tag. Nach gründlichem Abwägen entschied ich mich für die Umfahrung. Mir war allerdings klar, dass ich dann auf einer Strecke von 70km vom Ufer entfernt sein werde und keine Pause einlegen konnte. Auch muss ich hinzufügen, dass Fortaleza mir  bei der Routenplanung am meisten Kopfzerbrechen bereitet hat. Hier ist der Wind ablandig. Die Stadt muss also großräumig umfahren werden, um nicht in deren Windschatten zu kommen.  

Es ging also los. Nach zwei Kilometern umfuhr ich die letzte Landzuge und kitete direkt auf die offene See, anstatt dem Küstenverlauf nach Iguape zu folgen. Während ich in der Ferne bereits die ersten Hochhäuser von Fortaleza sehen konnte, wurden die Wellen immer höher. In den Wellentälern konnte ich teilweise das Land nicht mehr sehen. Als ich schließlich die Stadt erreichte, musste ich den Hafen so umfahren damit ich den großen Schiffen nicht in die Quere komme. Dann kam das Stück an dem der Wind ablandig wehte. Obwohl bzw. gerade weil ich den bis dato zurückgelegten Weg in meinen Knochen spürte war hier höchste Konzentration verlangt um mich nicht unnötig in Schwierigkeiten zu bringen.

Hier ist es glaube ich an der Zeit mal nicht nur von dem Schönen und Angenehmen zu berichten. Abgesehen von der intensiven Sonneeinstrahlung plagen mich vor allem zwei Dinge:
1. Salzwasser: Das Salzwasser brennt in Augen (trotz Sonnenbrille), Mund und Nase. Man fühlt sich wie ein Seefahrer, der Schiffbruch erlitten hat. Dazu muss ich natürlich erwähnen, dass mir bereits am zweiten Tag meine Trinkblase gerissen ist. Mein Trinkwasser transportiere ich jetzt also in herkömmlichen PET-Flaschen. Das erschwert natürlich das Trinken auf dem Wasser.
2. Krämpfe: Durch die ständig gleiche Haltung auf dem Board macht mir vor allem meine rechte Wade Probleme. Ich muss immer wieder pausieren und die Beine dehnen. Im Wasser schwimmend, mit Rucksack auf dem Rücken und Kite am Himmel ist das natürlich nicht so einfach und effektiv wie an Land. Bei großen Strecken verliere ich mit der Zeit das Gefühl in den Beinen und mache, wenn ich einen Moment nicht aufpasse richtige Anfängerfehler.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zwischenzeitlich ans Aufgeben gedacht habe. Beinahe hätte ich das letzte Stück nach Cumbuco mit dem Bus zurückgelegt. Doch dann sah ich die Konturen von Kites am Himmel - Cumbuco war nahe. Dies half mir ungemein den inneren Schweinehund zu überwinden. Mit loopendem Kite schoss ich nun völlig überpowert in Richtung Etappenziel. Nach 5,5 Stunden und einer Strecke von 100km erreichte ich dann völlig erschöpft Cumbuco. An Land musste ich mich erst einmal wieder an den festen Untergrund gewöhnen.

Mir war klar am nächsten Tag muss ein Tag Pause eingelegt werden um meinen Körper etwas Erholung zu gönnen und das Material für den Trip nach Jericaocaora vorzubereiten. Von nun an werde ich, wegen dem im Norden stärkeren Wind, mit einem 9qm großen Kite unterwegs sein.

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2 Kommentare
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  1. Hey Fabian,

    Wir verfolgen deine Route. Super, dass alles so gut klappt. War ja klar! Druecken dir weiterhin die Daumen.

    Pia, Juergen, Lukas und Lena

  2. Hallo Fabian,
    schneller, weiter, höher! Sicherlich ist dies nur ein kleiner Übungsteil, den du da gerade absolvierst. Es ist anzunehmen, dass dich der nächste Trip in die Magellanstraße oder den Beagle-Kanal bringen wird. Die Winde sollen dort vorzüglich und konstant blasen.
    Ist schon `ne starke Sache, die du da machst. Natürlich wünsche ich die weiterhin eine bewegende und erlebnisreiche Reise entlang der Küste. Komm gut zurück
    Stephan

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