Inlandeis - Der lange Marsch (13)
26. Februar 2009 | Von Thomas Holz | Kategorie: Inlandeis & GranitDer Freitag, unser vierter Test- und Trainingstag, beginnt um 6 Uhr mit den sanften Tönen der Peer Gynt Suite von Grieg. Da hat wohl jemand seinen Handy-Wecker nicht ausgeschaltet. Schadet aber eh nix, denn heute haben wir etwas längeres vor.
Da der Föhn weiter kräftig bläst und schlechtes Wetter heranbringt, wollen wir heute die Etappe von Hinterriß in die Eng und zurück gehen. Ursprünglich war geplant den einfachen Weg zurückzulegen und am Talschluss nochmals die Zelte aufzuschlagen. Sollte aber wirklich das schlechte Wetter aufziehen, was sicher Regen brächte, wollen wir die teure Daunenausrüstung in Sicherheit wissen. Zunächst stellt sich aber die Frage was die Innenschuhe so machen. Peter und Alex verfolgten die Technik mit trockenen Socken am Vorabend in die Schuhe zu schlüpfen um sie durch die Körperwärme zu trocknen. Meine Wenigkeit hat die Einlegesohlen entfernt und die Innenschuhe erstmal im Freien ausdampfen lassen um sie anschließend mit in den Schlafsack zu nehmen. Das Ergebnis ist nicht schlecht: die Sohlen sind komplett trocken und die Innenschuhe, die sowieso keine Feuchtigkeit aufnehmen können, lediglich mit einem dünnen Feuchtigkeitsfilm versehen. Ich will meinen Trocknungserfolg am frühen morgen vor den Jungs allerdings nicht zu ausgiebig breittreten, da sonst die Erinnerung wiederkehrt, dass ich eine gewisse Teilschuld an der Schuh-Misere trage. Was sich hier noch recht lustig anhört, könnte in Grönland ein echtes Problem werden, da die arktischen Temperaturen keinen Spielraum zulassen werden.
Nach einem ausgiebeigen Frühstück mit Schweizer Müsli und Peronin (einer angereicherten Flüssignahrung), packen wir die Pulkas und machen uns auf den Weg. Die überschaubare und gesetzte Schneelage macht das Ziehen doch recht angenehm. Die folgenden Stunden sind recht eintönig. Ziehen, ziehen, ziehen, anhalten und etwas ausziehen, ziehen, ziehen, ziehen, anhalten und etwas anziehen, trinken, etwas essen, ziehen, ziehen… das wird sicher ein Spaß in Grönland. Neben der Loipe bahnen wir uns den Weg in Richtung Talende. Was das ganze ungemein erleichtert ist die imposante Kulisse vor der wir uns bewegen. Links und rechts des Weges erspähen wir einige potenzielle Eiskletter-Ziele - wenn da nur nicht der lange Anmarsch wäre. Nach einiger Zeit erreichen wir den Großen Ahornboden, eine weite Fläche mit üppigen Ahornbeständen die im Sommer Ziel von tausenden Touristen ist. Da die Straße im Winter gesperrt ist, verirren sich zu dier Zeit nur vereinzelt Tourengeher, Langläufer oder Menschen wie wir in diese wunderschöne Ecke. Wir entscheiden uns vom Idealweg ins kupierte Gelände abzuzweigen um das Ziehen unter erschwerten Bedingungen zu testen.
Eine Lektion in Demut! Im Gelände liegt doch etwas mehr Schnee und oft brechen wir durch den Harschdeckel und stecken fast bis zu den Knien im Schnee. Steilere Buckel erfordern erst die ganze Kraft und wenn der Pulka dann über die Kuppe kommt, schiebt er ganz ordentlich. Die Zeit vergeht dennoch recht schnell und schon sehen wir die Gasthäuser in der Eng. Mittlerweile bläst der Föhn orkanartig - Zeit umzukehren. Der Rückweg wird in unseren Spuren zwar etwas leichter ausfallen, zieht sich aber dennoch. Mittlerweile schmerzen die Füße und da die Schuhe für ganz andere Temperaturen ausgelegt sind, fühlt es sich an wie in der Sauna. Gegen 16.30 Uhr erreichen wir wieder die Fahrzeuge.
Wir waren 7 Stunden unterwegs und davon gut 5,5 Stunden in Bewegung (etwas Pause muss ja auch sein). Zurückgelegt haben wir knapp 26km. Da das Wetter immer schlechter wird, fällt die Entscheidung leicht die Veranstaltung nach Bad Tölz zu verlegen. Außerdem haben die letzten Tage so viele Erfahrungen und Eindrücke gebracht, dass es Sinn macht darüber zu diskutieren und Schlüsse für Grönland zu ziehen. Nach kurzer Fahrt, Dusche und neuen Klamotten gönnen wir uns das erste Bier und lassen den Tag in einem Lokal unseres Vertrauens bei weiteren Bieren und Semmelknödel mit Rinderstreifen ausklingen.