Auf nach Grenoble (21)

5. April 2009 | Von Christoph Ebert | Kategorie: Alpencross mit Ski
leadimage

Ab Chamonix beginnt der angenehme Teil meiner Reise: bei frühlingshaften Temperaturen mache ich mich auf zum Schlussspurt. Auch bei mir ist nun ein wenig der Dampf raus: es wird Zeit, dass ich ankomme. Lediglich auf eine Etappe freue ich mich noch richtig: die Durchquerung der Chartreuse, eines Hochplateaus zwischen Chambéry und Grenoble.

Von Chamonix aus gehe ich über die Skigebiete von Les Houches und St. Gervais nach Mégève. Immer unter dem Schatten des Mont Blanc entlang, ist die Etappe über zwei Gipfel zwar lang, aber (durch die Skigebiete) eher einfacher Natur.

Am nächsten Tag beginnt die Suche nach dem Schnee. Ist der Beginn der Etappe auf etwa 1100m in Mégève noch eher weiß, „grünt“ es immer mehr und mehr, während ich im Val d’Arly nach Süden und bis zum lediglich noch 500m hoch gelegenen Ugine auch nach unten vordringe. Für mich, der gerade aus dem ewig weißen Reich der Gletscher kommt, ist es beinahe etwas seltsam, nun plötzlich über blühende Frühlingswiesen zu spazieren, nachdem ich mich noch vor drei Tagen durch einen Schneesturm schlagen musste. Bauern arbeiten bereits auf den Feldern. Es riecht nach frisch geschnittenem Gras und Sommer. Einzelne Schmetterlinge sonnen sich auf dem Asphalt, während die Schmelzwasserbäche geräuschvoll ins Tal donnern. Die gesamte Umgebung macht Lust auf Sommer und Baden.

Auf dem Hochplateau der Chartreuse liegt (den mir zugänglichen Infos zufolge) noch genug Schnee. Ich hoffe, den Weg der klassischen Durchquerung gehen zu können, der den Gipfeln am Ostgrat folgt. Oft ist dieser aber an den schroff abbrechenden Graten über Seile versichert und erinnert teilweise an einen leichten Klettersteig. Falls diese Passagen wegen Schnees noch gefährlich sind, muss ich mir meine Wege über die darunter liegenden Hänge suchen. Über den Mont Rachais und die Bastille von Grenoble sollte ich dann in zwei, spätestens aber drei Tagen genau an meiner ehemaligen Wohnung vorbei nach Grenoble kommen. Das Ende einer 6wöchigen Skitour. Irgendwie ist es bizarr, dass mein Nomadenleben nun wieder zu Ende geht. Die letzten Wochen waren so intensiv, als wären es Jahre gewesen.

Meine Mont Blanc-Träume müssen wohl vorerst verschoben werden. Der Wetterbericht gibt vorerst kein ausreichend grünes Licht für einen Alleingang…

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