Alpencross - Zermatt (18)

22. März 2009 | Von Christoph Ebert | Kategorie: Alpencross mit Ski
leadimage

Saas Fee, Zermatt, Verbier, Chamonix. Vier Orte, deren Namen für Bergsüchtige in aller Welt einen geradezu magischen Klang haben. Verbunden durch die Haute Route, eine Verbindung, die einst von englischen Bergsteigern gesucht wurde, um die Orte zu verbinden, ohne ins Tal herab zu müssen. Jetzt beginnt “meine” Haute Route.

Schon am ersten Tag steht dabei mit dem 3800 Meter hohen Adlerpass eine Schlüsselstelle auf dem Programm. Erste Übernachtung: Britanniahütte. Als ich mein Ziel Zermatt ins Hüttenbuch eintrage, merkt die Wirtin auf. Diesen Winter hat noch niemand die Überschreitung gemacht. Auf der Zermatter Seite des Adlerpasses liegt noch extrem viel Schnee. Etwas mulmig wird mir schon, bei dem Gedanken als Sologänger auch noch den Vorreiter spielen zu müssen. Zu meiner Erlösung trägt am selben Abend noch eine Gruppe mit Bergführer ebenfalls Zermatt als Ziel ein.

Ich beschließe großzügig, ihnen den Vortritt zu lassen. Es kommt aber ganz anders: ein Mitglied der Gruppe hat Probleme mit seinen Steigfellen, so dass die Gruppe kaum vorankommt. Meine Zimmerkollegen Jerome und Vincent übernehmen die Fürhung. Ohne sicherndes Seil bin ich froh, in ihren Spuren über den Gletscher laufen zu können. Am Adlerpass allerdings muss ich alleine weiter. Das Ziel der beiden ist das Strahlhorn. Ich überlege kurz, ob auch ich einen Abstecher aufs Strahlhorn machen soll. Mit etwa ein bis zwei Stunden Aufwand ist es die einfachtse Möglichkeit, meiner Tour einen 4000er hinzuzufügen. Letztlich siegt die Vernunft über den Gipfelhunger. Ich muss mit meinen Kräften haushalten. Und die Sicht ist bereits vom Pass aus kaum zu überbieten.

Die Westseite des Adlerpasses ist tatsächlich noch heikel. Eine große Schneewehe teilt den ohenhin steilen Hang in zwei Hälften. Ich montiere die Tourenski auf den Rucksack und steige mit Eisen und Pickel ab. Das Gesicht zum Berg, auf den Frontzacken zwischen der Wechte und der Felswand hindurch. Alles läuft problemlos. Unten angekommen stehe ich erstmals ohne sicherndes Seil oder führende Seilschaft auf einem Gletscher. Zum Glück ist diesen Winter alles gut eingeschneit… Bis zur Einfahrt auf den Findelgletscher habe ich perfekten Firn unter den Kufen. Dort wird der Schnee weich. An einem schwierig zu findenden Einschnitt steige ich die Seitenmuräne hinauf und fahre die letzten Meter hinab nach Zermatt. Eine Abfahrt von über 2000 Höhenmetern, sagt mein Höhenmesser.

Nachdem ich längst mein Quartier in Zermatt bezogen habe und durch die Gassen schlendere, entdecke ich zwei müde Wanderer: es sind Jerome und Vincent. Entgegen ihrer Planung haben auch sie den Pass überschritten. Dann allerdings haben sie den Wiederaufstieg an der Muräne verpasst und mussten ihre Sportgeräte einen weiten Weg ins Dorf tragen…Mit einem kraftgebenden Menü von McDonalds lassen wir gemeinsam einen gelungenen Tag im Sonnenschein ausklingen.

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Ein Kommentar
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  1. Lieber Christoph!

    Begeistert lese ich Deine Berichte über Deine Alpentour. Jedoch muss ich zu diesem Bericht anmerken, dass Du dieses Jahr nicht der erste warst, der den Adlerpass nach Zermatt überschritten hat. Am 24.2. sind wir bereits zu viert zum Felskinn mit der ersten Gondel und dann über den Adlerpass nach Zermatt. Ins Hüttenbuch konnten wir uns nicht eintragen, die Britanniahütte war noch geschlossen, bzw. der Winterraum hätte keine großen Vorteile gebracht. Vom Adlerpass konnten wir noch direkt abfahren.

    Viele liebe Grüße aus Saas-Fee und einen schönen Frühling in Grenoble

    Patrick Braess

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