Alpencross - White Out (13)

10. März 2009 | Von Christoph Ebert | Kategorie: Alpencross mit Ski
leadimage

White Out am Schlappiner Joch.

Es bleibt die Tour des Verzichts. Guter Hoffnung, heute endlich die Schweiz zu erreichen steige ich im Schneetreiben zur Valxifenalp an. Ich bin guter Laune und freue mich, über den angenehm leichten Aufstieg im frischen Pulverschnee. Bald darauf zeigt der Berg aber sein weniger angenehmes Gesicht und macht Schluss mit lustig. Der Pulver wechselt in Bruchharsch über und die Sicht sinkt auf Null.

Im dichten Nebel und Schnee lassen sich keinerlei Geländekonturen mehr unterscheiden. Das perfekte White Out. Bis zu einer Höhe von rund 1900 Metern kann sich mein Auge zumindest ab und zu an Sträuchern und Latschen festhalten. Ab einer Entfernung von circa 30 Metern kristallisieren sich ihre Umrisse aus der weißen Brühe heraus. Höher oben ist gar nichts mehr. Zeitweise verliere ich sogar mein Gleichgewichtsgefühl, so dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob ich steige, oder meine Skispitzen nach unten zeigen. Ich steige dennoch weiter, hoffe darauf, dass die Mittagssonne sich zumindest kurz durchsetzen kann. Meine Gebete gelten derweil meinem Garmin GPS. Oft folge ich der von ihm angegebenen Richtung nur sehr widerwillig. Mein Gefühl will mir ständig etwas anderes eingeben. Natürlich behielt das Garmin GPS recht. Dann endet der letzte steile Anstieg und es wird spürbar flacher.

Ich kontrolliere meinen Höhenmesser: 2205m. Dann der Blick aufs Garmin GPS-Gerät. Ich bin oben, am Schlappiner Joch. Vor mir liegt die Schweiz. Theoretisch gäbe es nun zwei Möglichkeiten: die steile Direttissima nach Schlappin oder eine lange Querung ins Madrisa-Skigebiet über Klosters. Praktisch gibt es nur einen weißen Brei. Noch sind meine Aufstiegsspuren im Bruchharsch konserviert, aber der frische Schnee beginnt bereits sie auszulöschen. Falls ich noch länger auf das Loch im Nebel warte, werden sie verweht sein. Eine Blindfahrt in die Schweiz scheint mir ein Harakiri-Unternehmen zu sein. Also schnellstens zurück, bevor meine Spuren verschwinden. Bereits aus zwei bis drei Metern Entfernung sind sie nicht mehr zu erkennen. Um sie nicht aus den Augen zu verlieren fahre ich nicht entlang, sondern exakt in meiner Spur ab… wie beim Aufstieg mit Spitzkehren und angelegten Fellen, um meine Geschwindigkeit besser kontrollieren zu können. So geht es hinab, bis mir die Vegetation wieder ein wenig Orientierung ermöglicht. Schon mein zweiter Abbruch, bei dem ich direkt über meinem Zielort stand… Enttäuscht kehre ich nach Gargellen zurück.

Am nächsten Tag ist zwar nicht alles besser, aber es geht immerhin hinüber nach Klosters. Kaum in der Schweiz bin ich verzaubert davon, wie hübsch hier alles ist. Wohl eine Einstellungssache. Jedenfalls verbringe ich den Rest des Tages mehr mit fotografieren und staunen über den zauberhaften Winterwald, als mit laufen. Trotz dem, oder vielleicht gerade deshalb schaffe ich es relativ mühelos noch bis Davos.

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