Alpencross - Tag 1 bis 3 (9)

24. Februar 2009 | Von Christoph Ebert | Kategorie: Alpencross mit Ski
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Tag 1: Bis Bad Wörishofen

Noch vor Sonnenaufgang erreiche ich die ersten Felder und kleinen Weiler. Frischer Schnee bedeckt den Asphalt, so dass ich auf den Straßen gut vorankomme. Alles liegt verlassen. Ich muss an eine Geschichte mit Donald Duck denken. Als Aushilfspostbote soll er Penicillin in ein vom Schnee unzugängliches Bergdorf bringen. Mit meinem riesigen Rucksack allein auf weiter Flur komme ich mir ähnlich vor. Gerade als ich das Ende der Straße erreiche und auf den Jakobsweg entlang der Wertach einbiege kommt mir der Schneepflug entgegen. Glück gehabt. Von jetzt an geht es immer links der Wertach nach Süden. Viele vereiste Fahrspuren von Jeeps und Traktoren erleichtern mir den Weg. Dann beginnt es wieder zu schneien. In Türkheim angekommen überlege ich mir, einen Umweg über Bad Wörishofen zu gehen. Dort schlage ich mein Hilleberg Zelt (siehe Bild) im Windschutz der Therme auf und lege mich noch zwei Stunden ins warme Thermenwasser. Nicht unbedingt die angekündigte Entsagung, aber sehr schön, so aufgeheizt ins Zelt zu steigen. In acht Stunden habe ich an diesem ersten Tag gut über 40 Kilometer zurückgelegt. So kann es gerne weiter gehen.

Tag 2: Pappschnee und Wertachwasser

Petrus scheint es nicht gut mit mir zu meinen: die ganze Nacht hat es geschneit. Unangenehm nassen Pappschnee. Ich verzichte auf ein warmes Frühstück und versuche, so schnell wie möglich zur Wertach zurückzukommen, wo der Wald die Schneemassen vielleicht ein wenig ausbremsen konnte. Aber es ist bereits zu spät. Mit jedem Schritt krallen sich mehrere Klumpen unglaublich nassen Schnees an meine Ski. Zeitweise fällt es mir schwer, überhaupt von der Stelle zu kommen. Ich greife gleich vorweg: in sechs Stunden Marsch sollte ich heute sage und schreibe acht lausige Kilometer vorankommen. Als ich die Wertach ereiche, stellt sich aber zumindest in den Wäldern tatsächlich eine leichte Verbesserung ein. Viel ist es jedoch nicht. Und auf den Dämmen trifft mich der aufgekommene Orkan mit voller Härte.
Die gefrorene Wertach liegt währenddessen oft so verlockend glatt vor mir, wie eine blank polierte Autobahn. Eine Versuchung, der ich aufgrund der dünnen Eisdecke aber leicht widerstehen kann. Anders sieht es mit der Versuchung aus, mein Trinkwasser in der Wertach nachzufüllen. Zwar habe ich Entkeimungstabletten dabei. Diese sind aber scheinbar wirkungslos gegen den Virus den ich mir nun einfange. Meine Brotzeit jedenfalls nimmt pronto denselben Weg hinaus, den sie hinein genommen hatte. Ich beschließe deshalb mein Lager schon um zwei Uhr nachmittags in einem windgeschützten Waldstück aufzuschlagen und lege mich aufs Ohr.

Tag 3: Zwangsunterbrechung

Gleich drei Warnungen hält der deutsche Wetterdienst für heute bereit: 1. Orkan, 2. bis zu 40cm Nassschneefall, 3. Die höchste Lawinenwarnstufe fünf. Kombiniert mit meinem Virus sehe ich den optimalen Zeitpunkt für die erste Zwangspause. Da ich noch sehr nahe an zu Hause bin, nehme ich das Angebot meiner Eltern an, mich abzuholen. Ich kämpfe mich noch bis kurz vor Kaufbeuren und steige ins Auto. Zu Hause bricht der Virus kurz aber heftig aus, bevor es mir noch am selben Abend wieder gut geht. Jetzt heißt es abwarten, bis sich die Wetterlage ein wenig beruhigt. Da ich bei der derzeitigen Lawinenlage ohnehin nicht in die Berge starten würde, verliere ich keine Zeit.

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