Alpencross - Schweiz in Sicht (12)
5. März 2009 | Von Christoph Ebert | Kategorie: Alpencross mit SkiZehn Tage bin ich jetzt unterwegs (ohne die Zwangspause zu Beginn) und endlich ist die Schweiz in greifbare Nähe gerückt.
Spulen wir noch einmal zurück, bis zu meinem letzten Grenzübertritt. Unter katastrophalen Verhältnissen benötigte ich damals drei Tage von Oberstdorf nach Warth, wo mein letzter Bericht endete. Mit einem Aufstieg lange vor Betriebsbeginn der Warther Bergbahnen überraschte ich am Folgetag den Liftführer: “Wo kommsch du denn scho her?” war die erstaunte Frage, als er mich zu seinem Dienstbeginn am Saloberkopf die Felle von den Tourenski ziehen sah. Auf der Piste hinab in die Auenfeldmulde und in einer Raupenspur ging es weiter ins Skigebiet Lech.
Kein Weg für Ästheten und allgemein auch eher ungebräuchlich, da die beiden Skigebiete keinen Tarifverbund bilden. In Lech erschlägt mich der Schicki-Micki Skizirkus fast. Auf den Straßen hört man außer den zahlreichen Bergführern beinahe jeden in einer fremden Sprache reden. Während ich meine beschädigten Tourenstöcke reparieren lasse, wechseln Nobelski in Leopardenfellmuster und mit individuellen Motiven für horrende Preise den Besitzer. Leider sind auch die Unterkunftskosten ähemm… angehoben. Für 50 € erhalte ich das angeblich billigste Zimmer im Ort. Auf meine Frage, warum es hier doppelt so teuer sei, wie im benachbarten Warth erhalte ich die sehr selbstbewusste Antwort: “Weil wir eben Lech sind.” Fairerweise muss ich hinzufügen, dass mir für mein Geld ausgezeichneter Service geboten wird. Im ebenfalls überteuerten “Spar”-Markt tätige ich anschließend den vielleicht ungesündesten Einkauf meines Lebens (auf dem Foto fehlen ein Kakao und ein weiteres Snickers, die schon an der Ladenschwelle verputzt wurden). Aber ungesund hin oder her - sooo viel kostbare Energie!
Am nächsten Morgen geht es wieder vor Betriebsbeginn der Bergbahnen (nicht ohne mich zu vergwissern, dass keine Sprengungen geplant sind) auf den Pisten hinauf zum Madlochjoch. Dass sich die Lawinensituation langsam entspannt merke ich auch daran, dass mir zum ersten Mal ein Team Tourengeher begegnet. Die Entspannung gilt aber leider nicht für die Südwände unter dem Spuller See. Dort ist eine Dauerwarnstufe von Vier verhängt. Ich will mir die Situation selbst ansehen, mache aber sofort kehrt, als ich auf ein Schneebrett “in Lauerstellung” stoße. Es hat sich bereits von der übrigen Schneedecke gelöst und hängt am seidenen Faden. Deutlich sind die Abbruchspuren erkennbar. Ich will nicht derjenige sein, der ihm den Gefallen tut, es los zu treten und entschließe mich zur Umkehr.
Zu erschöpft, um ganz nach Lech zurückzukehren verbringe ich den sonnigen Nachmittag vor und die Nacht im Schutzraum der Ravensburger Hütte. Die Abfahrt nach Lech am nächsten Morgen ist dank frischer Schneeverwehungen herrlich. Im Tal angekommen nehme ich den Bus ins Klostertal. Da ich am Vortag bereits in Luftlinie beinahe lotrecht aufs Klostertal hinabblickte, verzeihe ich mir den kleinen Selbstbetrug leicht. Schwerwiegender ist da schon der nun folgende Tabubruch: ich benütze die Seilbahn zum Sonnenkopf hinauf. Anders könnte ich die heutige sehr lange Etappe nicht mehr gefahrlos zu Ende bringen, da die Sonne immer noch Grundlawinen losschmilzt. Vom Sonnekopf geht es hinab ins Silbertal und gleich darauf wieder hinauf zur 900 Meter höher gelegenen Grasjochalpe. Von dort geht es auf einem sehr steilen und engen Fußweg, den ich mit den Ski kaum bändigen kann hinab nach St. Gallenkirch und weiter nach Gargellen. Trotz Lifteinsatz (Ersparnis von etwa 1000 Höhenmetern) eine Killeretappe. Morgen geht es dafür etwas ruhiger zu, wenn ich über das Schlappiner Joch in die Schweiz “einreise”.
Hi Du!
Hut ab, was Du schon geschafft hast! Du schaffst auch den Rest!!!!
Pass auf Dich auf und sei weiter so vorsichtig!! Alles Gute
Andi + Benny
P.S: In Augsburg schneit es auch schon wieder!!