Alpencross - Nabel der Schweiz (15)
15. März 2009 | Von Christoph Ebert | Kategorie: Alpencross mit SkiIn Obersaxen bereitet mir meine Zimmerwirtin morgens noch ein herzhaftes Schweizer G’rösti. Noch ahne ich nicht, wie sehr ich die Energie gleich brauche, denn mir steht die bisher nervtötendste Etappe meiner Tour bevor.
Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich nach dem reichhaltigen Frühstück viel zu spät starte. Der Schnee jedenfalls ist weich und bereitet mir grösste Probleme. So wird es schon zur Geduldsprobe nur die 29 Weiler, die gemeinsam Obersaxen bilden zu verlassen (im übrigen die Heimat des neuen Weltmeisters Carlo Janka, wie man vor Ort kaum übersehen kann…). Endlich im Rheintal angekommen wartet dort ein wahrer Hindernislauf auf mich: Fluss, Bahnstrecke, Autobahn, Dörfer… immer wieder heisst es Ski an, Ski ab. Ski an, Ski ab, bis zum umfallen. Nie wieder will ich Ski tragen schwöre ich mir an diesem Tag. Spät nachmittags erreiche ich endlich Sedrun. Endstation fuer Autos. Von hier aus geht es nur mit der Matterhorn-Gotthardbahn weiter - oder mit Ski.
Als ich gegen fünf Uhr morgens mein Quartier verlasse, regiert ein herrlicher Vollmond. Die letzten Nachtschwärmer begegnen mir auf ihrem Weg nach Hause (”Die Lifte laufen erst ab neun!”). Ich verbringe viel Zeit damit das herrliche Mondlicht über Sedrun zu fotografieren. Diesmal bin ich früh genug unterwegs, um den herrlichen Tag zu geniessen. Der Oberalppass ist schnell und vergleichsweise mühelos erreicht. Oben angekommen setzen ich meinen Weg entlang des Stausees fort. Sehr zum Spektakel der Bahnpassagiere, die mich mit meist erstaunten Blicken über ihrer Fensterhöhe auf der gewaltigen Schneemauer vorbeimarschieren sehen.
Hinunter nach Andermatt geht es auf der Oberalpstrasse, die während der Wintersperre zu einem Allzweck-Rodel-Wander-Skiweg umgewandelt wurde. Andermatt ist mir auf Anhieb sympathisch. Gewissermassen wie der Bauchnabel der Schweiz liegt es umgeben von hohen Pässen gemütlich unter seiner prachtvollen Schneedecke. Wie zuletzt in Lech ist zwar auch hier alles auf den Tourismus ausgerichtet - aber in einer viel angenehmeren, dezenteren Weise. Und wie mir scheint getragen von einer sehr aktiven, jungen Szene. Leider kann ich nicht lange genug bleiben, um mich völlig im Flow dieses Ortes treiben zu lassen. Nachdem ich heute über den Ursprung des Rheins gegangen bin, geht es morgen zum Ursprung der Rhône.