Alpencross - Fazit Material (23)

14. April 2009 | Von Christoph Ebert | Kategorie: Alpencross mit Ski
leadimage

Sechs Wochen Dauertest: was hat sich bewährt? Was würde ich beim nächsten Mal nicht mehr mitnehmen?

1. ABS-Rucksack

Obwohl ich ihn zum Glück nie auslösen musste, hat er mir selbst und den Zurückgebliebenen einfach ein besseres Gefühl vermittelt. Nichts desto trotz stimme ich mit der frei übersetzten Aussage des Extremskifahrers Rémy Lécluse überein: „Am Berg hilft ein waches Gehirn mehr als ein Airbag.“ Allerdings sind Gehirn und Airbag gemeinsam unschlagbar.
Zu berücksichtigen bleibt natürlich, dass der Rucksack mit einigen Kilos zu Buche schlägt. Obwohl der ABS generell sehr gut durchdacht ist, vermisste ich einige Funktionen meines gewohnten Tourenrucksacks. Generell wohl ausreichend, waren die 50 Liter maximales Packvermögen für meine Tour oft zu wenig.

Dass ich wegen des Airbags größere Risiken eingegangen wäre, ist mir nicht bewusst. Allerdings hat sich die Art der Gefahrenwahrnehmung verschoben: ist es z.B. gefährlicher, den steileren Hang zu befahren, der unten eine sanfte Auslaufzone besitzt, oder den weniger steilen Hang, der in einem Wald (einer Schlucht, einer Spalte, etc.) endet? Mit Airbag entschied ich mich eher für den potentiell gefährlicheren Hang, der mir aber im Falle eines Lawinenabganges größere Überlebenschancen bietet. Keine Ahnung, ob dies der Lehrmeinung entspricht (oder ob es dazu überhaupt schon eine Lehrmeinung gibt) aber mein subjektives Sicherheitsgefühl hat sich dadurch verbessert…

Abschließend bleibt zu sagen: trotz Zusatzgewichtes und anderer kleiner Mankos hat mich der ABS-Rucksack voll und ganz überzeugt. Der Preis sollte dabei eigentlich ohnehin eine untergeordnete Rolle spielen, denn ein eventuell gerettetes Leben ist schließlich unbezahlbar.

2. Kamera

Das mehrmalige (unabsichtliche) Versenken im Schnee, sowie einmal (absichtlich) in einem Bach hat die wasserdichte Olympus Mju 1030 sw ohne zu Murren hingenommen. Auch die wiederholten (wieder unabsichtlichen) Stürze hat die Kamera im Gegensatz zu meinem Körper ohne sichtbare Schrammen überstanden. Das ich sie zusätzlich selbst bei tiefsten Temperaturen außen tragen konnte, ohne die Funktion zu beeinträchtigen hat mich vollendes überzeugt. Die Kamera ist für jede Art von Outdoor-Einsatz ausgezeichnet geeignet. Von der ebenso guten Bildqualität kann sich jeder selbst überzeugen.

3. Kocher

Ob bei steifem Wind vor dem Zelt oder (verbotenerweise) in einem warmen Herbergszimmer: der MSR XGK EX Kocher verfeuerte so gut wie jeden Brennstoff und brachte das Wasser stets in wenigen Minuten zum Kochen. Jegliches Fazit entfällt, denn mehr kann man von einem Kocher nicht erwarten. Was sich bei mir als zusätzlich positiv erwiesen hat, ist, den mitgelieferten Windschutz durch einen Metallteller, desselben Durchmessers zu komplettieren: als Deckel auf den Topf gelegt, schafft man so ein bestens isoliertes System (siehe Foto).

4. Handschuhe

Sechs Wochen permanente Beanspruchung waren für meine Handschuhe zu viel: gegen Ende der Tour waren die obersten Stoffschichten durchgerieben und nicht mehr dicht, so dass ich immer häufiger die Fäustlinge anziehen musste. Mein Tipp: auf gute Verarbeitung an den Nahtstellen, und eine Verstärkung an stark beanspruchten Stellen achten…

5. Teleskopstöcke

Ich verwende auch für Skitouren meine Wanderstöcke. Das hat einen einfachen Grund: in einen der Stöcke habe ich oben eine kleine Gewindestange aufgeschraubt. Diese passt zum Gewinde in Fotoapparaten und ermöglicht mir damit, den Skistock als Stativ zu verwenden (fast alle Selbstporträts während meiner Tour sind so entstanden).
Außerdem habe ich den obersten Teil meiner Teleskopstöcke mit Gummi umwickelt (Griffbezug von Fahrradlenkern). So kann man den Stock auch unterhalb des Griffes halten, ohne kalte Finger zu bekommen. Kleines Feature, das bei vielen Stöcken ab Fabrik etwas unterentwickelt ist.
Offensichtlicher Nachteil: Tourenstöcke sind deutlich stabiler. In Lech musste ich eine abgebrochene Spitze ersetzen lassen und diverse Male verbrachte ich meinen Abend damit die Stöcke wieder gerade zu biegen…

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