Alpencross - 2ter Anlauf (11)

3. März 2009 | Von Christoph Ebert | Kategorie: Alpencross mit Ski
leadimage

Immer wieder Einödsbach…

Es läuft nach wie vor alles daneben. Schon für meine erste Bergetappe brauche ich drei Anläufe. Gehen wir chronologisch vor: Freitag. Von Oberstdorf gehe ich über Einödsbach ins Rappenbachtal. Mein Ziel ist Warth. Leider liegt der Schnee meterhoch und ist butterweich. Da ich selbstverständlich keine Spur vorfinde, verbringe ich den ganzen Tag damit, “Schnee zu treten”. Gegen Mittag sehe ich ein, dass ich damit heute auf keinen grünen Zweig komme. Mein neuer Plan: Ich spure so weit wie möglich vor und gehe zurück nach Einödsbach. Dort darf ich dankenswerter Weise kostenlos im eigentlich nur im Sommer geöffneten Matratzenlager schlafen. Es ist zwar nicht geheizt, aber dafür habe ich grob geschätzt rund 100 Decken zu meiner Verfügung. ich wickle mich in so viele, dass sie wie eine Zementschicht auf mir lasten. Bewegen kann ich mich danach zwar nicht mehr, aber es ist schön warm.

Für dieselbe Strecke wie am Vortag (mit Spur) benötige ich am Samstag nur ein Viertel der Zeit. Aber es ist noch so viel Weg ungespurt geblieben… Erst gegen zehn Uhr erreiche ich nach bis dahin sechsstündigem Kampf gegen die Schneemassen den Anstieg zum Haldenwanger Eck. Der Rückweg ist jetzt bereits weit länger als der Weg über den Berg. Ich entscheide mich dennoch zur Umkehr, da es schon warm ist und die Sonne beginnt, erste Lawinen loszuschmelzen.

Am dritten Tag nehme ich mir die nötige Zeit: der Wecker klingelt um eins. Im Schein meiner Kopflampe steige ich bald über mehrer Lawinen hinweg, die meine Spur vom Vortag kreuzen. Es war absolut richtig, umzukehren. Diesmal stehe ich pünktlich mit den ersten Sonnenstrahlen am Anstieg. Dennoch vergehen weitere fünf Stunden, bevor ich gegen zwölf Uhr mittags meine erste erfolgreiche Bergetappe feiern kann.

Morgen soll es weiter nach Lech gehen. Nicht wie geplant über die wintergesperrte Bundesstrasse, sondern über die Pisten und Routen des Skigebiets. Die Straße würde zwar viel Zeit sparen, aber mir wurde mehrfach versichert, dass es derzeit lebensmüde wäre, dort entlang zu gehen.

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