350 Kilometer Eis (1)
6. Januar 2009 | Von Thomas Holz | Kategorie: Inlandeis & GranitEine Expedition, die auf diese Weise vermutlich noch niemals durchgeführt wurde.
Die außergewöhnliche, etwa 350 Kilometer lange Expeditionsstrecke setzt sich aus Inlandeisbegehung, Erstbesteigungen und der Durchquerung des gesamten Schweizerlands auf Grönland zusammen.
Idee zur Expedition
Grandiose Orte und beeindruckende Landschaften gibt es sicher einige auf unserer Erde. Doch wirklich weiße Flecken auf der Landkarte sind mittlerweile eine wahre Seltenheit. Eine Ausnahme hierfür ist Grönland bzw. die grönländische Gebirgskette, die sich Schweizerland nennt. Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts wagen sich Menschen in diese karge und dennoch faszinierende Gebirgslandschaft.
Auch heutzutage sind es nur wenige Menschen, die sich an die Gipfel herantrauen, was auch daran liegen mag, dass an der Ostküste Grönlands mit rund 20.000 km Länge nur 3500 Menschen leben und jeder Aufbruch ins Schweizerland ein Aufbruch ins Ungewisse ist. Wenn es doch einmal eine Expedition in diese verlassene Gegend verschlägt, wird meist ein großer Teil der Strecke durch Helikopter Flüge zurückgelegt. Als im Frühjahr 2007 erstmals der Gedanke aufkam eine Expedition in diese Region zu unternehmen, war schnell die Übereinkunft erzielt, dass gemäß den Prinzipien von Hauser Exkursionen die Unternehmung by fair means durchzuführen sei.
Minimaler Einsatz von Transportmitteln wie Flugzeug und Helikopter und alle Lasten aus eigener Kraft ziehen und bewegen. Die Route zieht hierbei in meist nördlicher Richtung und durchquert das Schweizerland bis hin zum höchsten Punkt der Gebirgskette, dem Mount Forel. Eine weitausholende Schleife in westlicher Richtung bringt die Mannschaft dann das mächtige Inlandeis und zurück südwärts in die Zivilisation. Was uns vor Ort erwartet ist schwer zu beschreiben: endlose Weite, Kälte und Sturm, 500km Strecke auf teilweise unwegsamen Gletschern, die Möglichkeit Orte und Gipfel zu erreichen, die noch kein Mensch vorher betreten oder gesehen hat.
Die Route
Der Plan ist klar: mit dem Flugzeug gelangen wir nach Kulusuk im Südosten Grönlands. Von dort wird uns ein Heli an den Rand der Gebirgskette mit dem bezeichnenden Namen Schweizerland fliegen. Der Landweg ins Schweizerland wäre mit über einhundert Kilogramm Gepäck und bei einer geplanten Expeditionsdauer von fünf Wochen nicht realisierbar. Vom Absetzpunkt, der wahrscheinlich irgendwo in der Nähe von Kumiut liegen wird, geht es zu Fuß bzw. mit Skiern und Pulkas immer gen Norden. Der genaue Verlauf der Route wird sich hierbei erst vor Ort ergeben, da eine Planung von Zuhause zwar theoretisch möglich ist, die Verhältnisse vor Ort aber manche Pässe und Gletscher unbegehbar machen können.
Auf dem Weg zum höchsten Punkt im Schweizerland, dem Mount Forel (3360m), werden wir versuchen einige interessante Erstbegehungen zu realisieren. Das Schweizerland ist hierfür sicher ein wahres Dorado, da die Gebirgskette noch recht unerforscht ist. Vom Mount Forel wird die Route gen Westen auf das Inlandeis verlaufen, welches wir dann auf einer Länge von rund 250 km durchqueren um in Isortoq nach fünf Wochen wieder in die Zivilisation zurückzukehren. Die geplante Route in Kombination mit der bergsteigerischen Herausforderung ist in dieser Weise und by fair means noch nicht realisiert worden.
